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AG München: Reisemängel müssen im Einzelnen dokumentiert werden

Wer wegen Reisemängel den Preis einer Reise mindern will, sollte die Mängel und auch diesbezüglich erfolgte Reklamationen genau dokumentieren. Behauptungen wie «riesige Baustelle», «katastrophale hygienische Zustände» reichen dafür nicht aus, wie das Amtsgericht München klarstellt (Vergleich vom 09.12.2011, Az.: 271 C 13043/11).

Ehepaar macht zahlreiche Reisemängel geltend

Ein Ehepaar buchte für Mitte Dezember 2010 für sich und ihren fünfmonatigen Sohn eine achttägige Reise nach Ägypten. Der Reisepreis von 808 Euro beinhaltete die Flüge, Unterbringung und Verpflegung. Nach ihrer Rückkehr verlangten sie vom Reiseveranstalter 606 Euro zurück und darüber hinaus 700 Euro Entschädigung für entgangene Urlaubsfreude. Das Hotel habe sich als riesige Baustelle erwiesen, die hygienischen Verhältnisse seien eine Katastrophe gewesen. Die sanitären Einrichtungen seien nur unzureichend gereinigt worden. Das Essen sei wenig appetitlich, der Service nicht zufriedenstellend und das Unterhaltungsprogramm dürftig gewesen. Der Rückflug habe sich als Desaster erwiesen. Zwei Koffer seien erst Wochen später zu Hause angekommen. Die Mängel seien auch mehrfach reklamiert worden.

Reiseveranstalterin weist Vorwürfe zurück

Die Reiseveranstalterin trat dem Vortrag der Kläger entgegen. Die Reisenden hätten gleich zu Beginn ein Zimmer mit Meerblick bekommen, sodass der geringe Baulärm gar nicht mehr hörbar gewesen sei. Ansonsten sei alles in Ordnung gewesen.

AG hält Vortrag zu Reisemängeln für unzureichend

Das Ehepaar erhob Klage vor dem AG München auf Zahlung von 1.306 Euro nebst 223 Euro Rechtsanwaltskosten. In der mündlichen Verhandlung wies die zuständige Richterin beide darauf hin, dass der Vortrag zu den Mängeln der Reise und des Rückflugs zu ungenau sei. Pauschale Angaben wie «riesige Baustelle», «katastrophale hygienische Zustände» oder ähnliches genügten nicht. Auch sei den Klägern ein anderes Zimmer zugewiesen worden. Dass auch dort Lärm wahrgenommen werden habe können, sei ebenfalls nicht nachvollziehbar dargelegt worden. Das die Mängel «mehrfach» gerügt worden seien, sei ebenfalls kein ausreichender Vortrag.

Ehepaar geht auf Vergleich ein

Die Reiseveranstalterin bot dem Ehepaar einen Betrag von 150 Euro an, den dieses im Wege des Vergleiches schließlich auch annahm. Von den Kosten des Rechtsstreits mussten die Kläger 89 Prozent übernehmen.

Weiterführende Links

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OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 05.11.2001, BeckRS 2001, 30216521

beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck, 26. März 2012.