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Fußballwettskandal: BGH hebt Urteile teilweise auf

Die Verfahren wegen Sportwettenbetrugs durch Manipulationsabsprachen mit Spielern und Schiedsrichtern müssen teilweise neu verhandelt werden. Dies hat der Bundesgerichtshof am 20.12.2012 entschieden. Das Landgericht habe nicht ausreichend geprüft, ob zugunsten eines der Angeklagten eine Strafmilderung wegen Aufklärungshilfe in Betracht komme. Außerdem sei teilweise mit unzureichenden Erwägungen vollendeter Betrug verneint worden. Ferner sei bei der Prüfung eines Bandenbetrugs ein unzutreffender rechtlicher Maßstab angelegt worden (Az.: 4 StR 125/12 und 4 StR 55/12).

Wettgewinne im hohen fünfstelligen Bereich

Nach den jeweiligen landgerichtlichen Feststellungen platzierten die Angeklagten S., C. und P. in unterschiedlicher Beteiligung bei verschiedenen ausländischen, zumeist asiatischen Wettanbietern zahlreiche Wetten auf Fußballspiele im In- und europäischen Ausland, nachdem sie zuvor mit Spielern oder Schiedsrichtern Manipulationsabsprachen getroffen hatten. Die Wettverträge schlossen sie in der Regel über einen britischen Vermittler ab, der die Wetten an Wettanbieter in Asien weiter vermittelte. Während die Mitarbeiter des britischen Vermittlers jeweils Kenntnis von den Manipulationsabsprachen hatten, wurden diese gegenüber den Wettanbietern nicht aufgedeckt. In der weit überwiegenden Anzahl der Verträge waren die Wetten erfolgreich und die hinsichtlich der einzelnen Spielpaarungen erzielten Wettgewinne lagen – nach Abzug der Wetteinsätze – regelmäßig im hohen fünfstelligen Bereich. In zwei Parallelverfahren hat das Landgericht Bochum die Angeklagten wegen vollendeten beziehungsweise versuchten, teils «gewerbsmäßigen» Betruges in einer Mehrzahl von Fällen zu Gesamtfreiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt.

Möglicherweise doch vollendeter Betrug

Der BGH hat jetzt in dem Verfahren gegen den Angeklagten P. dessen Revision verworfen. Auf die zu Ungunsten des Angeklagten eingelegte Revision der Staatsanwaltschaft hat er den Schuldspruch in einem Fall sowie den Ausspruch über die Gesamtstrafe aufgehoben, weil das LG das Vorliegen der Voraussetzungen eines vollendeten Betruges mit nicht tragfähigen Erwägungen abgelehnt habe.

Aufklärungshilfe nicht hinreichend erwogen

In dem Verfahren gegen die Angeklagten C. und S. haben die Richter die Revision des Angeklagten C. verworfen und auf die Revision des Angeklagten S. den gesamten Strafausspruch aufgehoben, weil das LG eine Strafmilderung wegen Aufklärungshilfe des Angeklagten S. im Ermittlungsverfahren nicht hinreichend erwogen habe. Die weiter gehende Revision des Angeklagten S. wurde verworfen.

LG muss bandenmäßige Begehungsweise prüfen

Auf die zu Ungunsten der Angeklagten eingelegten Revisionen der Staatsanwaltschaft hat der Strafsenat die Schuldsprüche in fünf Fällen (Angeklagter C.) beziehungsweise in drei Fällen (Angeklagter S.) sowie die jeweiligen Aussprüche über die Gesamtstrafen aufgehoben, weil das LG auch insoweit die Ablehnung eines vollendeten Betruges nicht tragfähig begründet habe. Zudem habe er bezüglich des Angeklagten S. Schuldsprüche in 17 weiteren Fällen aufgehoben, weil das LG bei der Ablehnung eines Bandenbetruges in Bezug auf die Beurteilung der bandenmäßigen Begehungsweise von einem unzutreffenden rechtlichen Maßstab ausgegangen sei. Der BGH hat die Verfahren im Umfang der Aufhebungen zu jeweils neuer Verhandlung und Entscheidung an das LG Bochum zurückverwiesen.

Weiterführende Links

Aus dem Nachrichtenarchiv

LG Bochum verurteilt Wettpate Ante Sapina zu fünfeinhalb Jahren Haft, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 20.05.2011, becklink 1013343

LG Bochum verurteilt Fußball-Wettbetrüger zu Gefängnisstrafen - «Fairplay mit Füßen getreten», Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 15.04.2011, becklink 1012334

Verurteilungen im Fußballwettskandal sind rechtskräftig, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 15.12.2006, becklink 204606

beck-aktuell-Redaktion, Verlag C.H. Beck, 20. Dezember 2012.