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Höchstes US-Gericht erklärt Homo-Ehe landesweit für zulässig

Wegweisendes Urteil in den USA: Das höchste Gericht ermöglicht Schwulen und Lesben in allen 50 Bundesstaaten das Recht auf eine Ehe. Die amerikanische Verfassung garantiere landesweit ein Recht auf gleichgeschlechtliche Eheschließungen, urteilten die Richter in der am 26.06.2015 veröffentlichten Entscheidung. Die bislang bestehenden Verbote von 13 Bundesstaaten sowie in einigen Bezirken des Staates Missouri müssen aufgehoben werden. Derzeit erlauben bereits 36 Staaten sowie der Bundesdistrikt Washington D.C. die Homo-Ehe. "Das ist ein Sieg für die USA", sagte Präsident Barack Obama in einer ersten Reaktion.

Knappe Entscheidung des Supreme Court

Die mit fünf zu vier Richterstimmen knappe Entscheidung des Supreme Court ist der bislang größte rechtliche Erfolg für Befürworter der gleichgeschlechtlichen Ehe in den USA. Ihr Urteil stützten die Richter auf den 14. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten, der eine Gleichbehandlungsklausel enthält. Fünf der neun Richter gelten als eher konservativ, vier als eher fortschrittlich orientiert.

Obama begrüßt Urteil als Schritt in Richtung Gleichberechtigung

Präsident Obama bezeichnete das Urteil als großen Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung. "Schwule und lesbische Paare haben nun das Recht, zu heiraten wie alle anderen auch", schrieb er auf Twitter und fügt den Hashtag #LoveWins ("Liebe siegt") hinzu. Bei seiner Wahl im Jahr 2008 hatte er sich noch gegen die Homo-Ehe ausgesprochen, war vor seiner Wiederwahl im Jahr 2012 aber ins Lager der Befürworter gewechselt.

Hauptkläger kämpfte um Anerkennung als Witwer

"Die heutige Entscheidung bestätigt, was Millionen quer durchs Land bereits tief in ihren Herzen wissen. Unsere Liebe ist gleich", sagte Hauptkläger Jim Obergefell. Er hatte sich durch die Instanzen gekämpft, um als Witwer seines im Alter von 21 Jahren gestorbenen Partners John Arthur anerkannt zu werden. Obama rief Obergefell am 26.06.2015 an, um zu dem juristischen Sieg zu gratulieren.

Hunderte Befürworter der Homo-Ehe feierten vor Gerichtsgebäude

Vor dem Gerichtsgebäude in Washington versammelten sich Hunderte Befürworter der Homo-Ehe. Kurz nach der Entscheidung fielen sie sich jubelnd in die Arme, feierten die Entscheidung und sangen die amerikanische Nationalhymne.

Rückhalt in der amerikanischen Bevölkerung gegeben

Das Thema spaltet die Amerikaner seit Jahren. Schon zum Auftakt der Verhandlungen Ende April 2015 hatten sich die Richter uneins gezeigt. Jüngsten Umfragen zufolge zählt sich die Mehrheit der Bevölkerung aber mittlerweile zu den Befürwortern: 57% der Amerikaner würden eine Entscheidung des Supreme Court zur Legalisierung der Homo-Ehe begrüßen, fanden der Sender NBC und das "Wall Street Journal" heraus. 37% sprachen sich zuletzt dagegen aus. Vor allem im letzten Jahrzehnt hat sich die Stimmung innerhalb des Landes zugunsten der Homo-Ehe gewandelt.

Eherecht in USA einzelnen Bundesstaaten vorbehalten

Das Eherecht in den USA ist den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten. Allerdings ist es Interpretationssache, ob die Verfassung es den einzelnen Staaten überlässt zu entscheiden, was unter einer Ehe zu verstehen ist. 2013 hatte das Gericht bereits die Ungleichbehandlung von verheirateten Schwulen oder Lesben auf Bundesebene beendet. Ihnen müssten die gleichen staatlichen Vorteile gewährt werden wie Partnern in traditionellen Ehen, hieß es damals.

Weiterführende Links

Aus dem Nachrichtenarchiv

Bundesrat strebt vollständige Gleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Paare an, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 12.06.2015, becklink 2000272

Referendum: Irland führt Homo-Ehe ein, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 26.05.2015, becklink 2000129

USA: Supreme Court legalisiert faktisch Homo-Ehe in fünf Staaten, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 07.10.2014, becklink 1034964

USA: Homo-Ehe jetzt auch im US-Staat Oregon erlaubt, Meldung der beck-aktuell Redaktion vom 20.05.2014, becklink 1032592

USA: Supreme Court untersagt Schlechterstellung von Homo-Ehen, Meldung der beck-aktuell Redaktion vom 27.06.2013, becklink 1027260


Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 29. Juni 2015.