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Bitterer Scheidungskrieg durch Schiedsspruch beendet: VW muss Suzuki-Anteile verkaufen

Der jahrelange Streit um Volkswagens Beteiligung an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki ist vom Tisch. Nach einer Entscheidung des Schiedsgerichts der Internationalen Handelskammer (ICC) müssen die Wolfsburger wie von Suzuki gefordert ihren knapp 20-prozentigen Anteil an dem japanischen Unternehmen verkaufen. Das Schiedsgericht räumte VW aber auch Schadenersatzansprüche gegen Suzuki ein.

ICC: Kündigung der Allianz durch Suzuki war rechtmäßig

Beide Partner hatten 2009 eine Allianz vereinbart, bei der Volkswagen 19,9% der Anteile an Suzuki erwarb, die Japaner wiederum 1,5% der VW-Aktien. Suzuki war 2011 ausgestiegen und forderte von den Deutschen die Anteile zurück. Das Schiedsgericht befand nun, dass die Kündigung der Allianz durch Suzuki rechtens war und die von VW gehaltenen Aktien nun abzugeben seien.

VW kann aber Schadensersatz verlangen

Das Schiedsgericht bestätigte den Deutschen aber auch vertragstreues Verhalten sowie eine Vertragsverletzung durch Suzuki, für die Schadenersatzansprüche geltend gemacht werden können. Hintergrund der Vertragsverletzung ist das Verhalten des japanischen Autobauers, der die laufenden Kooperationsprojekte Ende 2010/Anfang 2011 abgebrochen und den Deutschen keine letzte Chance für eine Lieferung von Dieselmotoren eingeräumt hatte.

VW und Suzuki mit Schiedsspruch zufrieden

Volkswagen begrüßt es, dass nun Klarheit herrsche. «Diese Entscheidung basiert auf dem Grundsatz, dass Verträge grundsätzlich kündbar sein müssen», heißt es in einer Erklärung des Wolfsburger Konzerns. Man erwarte aus dem Verkauf der Suzuki-Aktien einen positiven Einfluss auf Ergebnis und Liquidität. Felber: «Bei diesem Schiedsspruch gibt es keinen Gewinner oder Verlierer.» Suzuki äußerte sich «zufrieden» und kündigte den Rückkauf an. Auf Basis des aktuellen Kurses liegt der Wert des Aktienpakets bei gut 460 Milliarden Yen (knapp 3,4 Milliarden Euro). VW hatte den 19,9-prozentigen Anteil einst für knapp 1,8 Milliarden Euro gekauft.

VW: Käufer der Suzuki-Anteile noch offen

«An wen Volkswagen seine Suzuki-Beteiligung abgeben wird, ist nicht entschieden», betonte VW-Sprecher Eric Felber. Zunächst würde die rund 300-seitige Begründung des Schiedsspruchs analysiert. «Die Modalitäten des Verkaufs der Suzuki-Anteile werden wir unter Berücksichtigung der Urteilsgründe mit Suzuki abstimmen», betonte der Sprecher. Der Konzern habe bereits eine Investmentbank eingeschaltet und werde in den kommenden Tagen das weitere Vorgehen abstimmen.

VW erwartet von Suzuki Verkauf der VW-Beteiligung

Zu den von Suzuki gehaltenen VW-Anteilen sagte der VW-Sprecher: «Die Beteiligung von Suzuki an Volkswagen war zwar kein Gegenstand des Schiedsverfahrens, wir gehen aber davon aus, dass Suzuki in der Logik der eigenen Argumentation handeln und bereit sein wird, sich von seinen Anteilen an Volkswagen zu trennen.» Suzuki äußerte sich dazu in seiner Mitteilung am 30.08.2015 nicht.

Investmentbanker: Attraktives Investment ohne operative Effekte

«Im Grunde haben beide Parteien recht bekommen», erklärte Analyst Frank Schwope von der NordLB. Unterm Strich sei die Allianz für die Wolfsburger zwar ein attraktives Investment gewesen. «Bedauerlich ist nur, dass operativ nichts dabei herum gekommen ist», sagte Schwope. Dabei habe die industrielle Logik gestimmt. Beide Unternehmen hatten den Schulterschluss gesucht, um gemeinsam Kleinwagen zu entwickeln. VW erhoffte sich so auch Zugang zum indischen Markt, wo Suzuki eine dominierende Marktposition innehat.

Weiterführende Links

Aus der Datenbank beck-online

Wilske/Markert/Bräuninger, Entwicklungen in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit im Jahr 2014 und Ausblick auf 2015, SchiedsVZ 2015, 49

Pörnbacher/Baur, Die Reform der Schiedsgerichtsordnung der ICC, BB 2011, 2627

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 31. August 2015 von Ralf E. Krüger