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Brüsseler Berufungsgericht schwächt CAS und stärkt Pechstein-Position

Der Appellationshof in Brüssel hat in einem Streit um das Verbot der Dritteigentümerschaft im Profi-Fußball entschieden, dass die in den Verbandsstatuten enthaltene Verpflichtung, Streitigkeiten zwischen Spielern, Vereinen und Verbänden vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS zu regeln, rechtswidrig ist, und sich für zuständig erklärt. Das Urteil könnte folgenschwere Konsequenzen für den Sport haben und auch Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein zugutekommen.

CAS entschied in Streit um Verbot der Dritteigentümerschaft

Hintergrund ist eine Klage des belgischen Fußball-Clubs FC Seraing. Ursprünglich ging es um das Verbot der sogenannten Dritteigentümerschaft (Third-Party Ownership, kurz TPO), das in den Statuten von FIFA, UEFA und nationalen Verbänden verankert ist. Die FIFA hatte dem Club untersagt, dass externe Investoren Rechte an Spielern erwerben. Der Fall landete vor dem CAS, der im Sinn der FIFA entschied.

Fußballclub rügte fehlende Unabhängigkeit des CAS

Daraufhin stellte der FC Seraing die Unabhängigkeit des CAS in Frage, da dieser von internationalen Verbänden finanziert werde. Er wandte sich an das belgische Berufungsgericht, um die Unwirksamkeit der Schiedsklausel feststellen zu lassen. Nachdem das Gericht sich nun für zuständig erklärt hat, soll der ursprüngliche Streitfall um die Dritteigentümerschaft am 04.10.2018 weiterverhandelt werden.

Urteil könnte Pechstein-Position vor BVerfG stärken

Die Entscheidung in Brüssel könnte nun auch Claudia Pechstein in ihrem Fall vor dem Bundesverfassungsgericht stärken, wie die Sportlerin vermutet. "Auch in meinem Fall ist mehr als deutlich geworden, dass der CAS kein unabhängiges Schiedsgericht ist. Auf die gravierenden Mängel haben wir mehrfach hingewiesen", sagte Pechstein am 02.09.2018 der Deutschen Presse-Agentur. Ein Verhandlungstermin für Pechsteins Beschwerde vor dem BVerfG steht noch nicht fest.

Weiterführende Links

Aus der Datenbank beck-online

Heermann, Die Sportschiedsgerichtsbarkeit nach dem Pechstein-Urteil des BGH, NJW 2016, 2224

Prütting, Das Pechstein-Urteil des BGH und die Krise der Sport-Schiedsgerichtsbarkeit, SpuRt 2016, 143

BGH, Ausschließliche Zuständigkeit des Court of Arbitration for Sport (CAS) aufgrund Schiedsvereinbarung, BeckRS 2016, 10974

Aus dem Nachrichtenarchiv

BGH: Schadensersatzklage von Claudia Pechstein wegen Dopingsperre vor deutschen Gerichten unzulässig, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 07.06.2016, becklink 2003496

Causa Pechstein: CAS verteidigt sich nach Münchener Richterspruch, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 30.03.2015, becklink 1037989

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Nach Pechstein-Urteil Ungewissheit vor Sportgerichten, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 19.01.2015, becklink 1036677

OLG München lässt Pechstein-Klage gegen Eislauf-Weltverband zu und erklärt CAS-Schiedsspruch für nicht bindend, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 15.01.2015, becklink 1036625

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 3. September 2018.