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Österreich: OLG Innsbruck sieht Mitschuld des Opfers an tödlicher Kuhattacke

Fünf Jahre nach der tödlichen Kuh-Attacke auf eine 45-jährige deutsche Wanderin hat das Oberlandesgericht Innsbruck das Urteil der Vorinstanz teilweise korrigiert. Den Landwirt treffe nicht die volle Schuld, vielmehr trage das Opfer eine hälftige Mitschuld, erklärte Wigbert Zimmermann, OLG-Vizepräsident am 27.08.2019 bei einer Pressekonferenz. Das OLG hat eine außerordentliche Revision zum Obersten Gerichtshof zugelassen.

Hälftige Kürzung der Ansprüche

Dies bedeute, dass dem Ehemann und dem Sohn des Opfers die Ansprüche um 50 Prozent gekürzt würden. Dem Witwer stünden somit rund 54.000 Euro und eine monatliche Rente von 600 Euro zu. Der Sohn bekomme rund 24.000 Euro sowie eine monatliche Rente in Höhe von 180 Euro. Der Anwalt des Landwirts kündigte an, Revision einzulegen.

Landwirt will Revision einlegen 

Der Anwalt des Landwirts kündigte an, Revision einzulegen. Es gebe ein Grundsatzurteil des OGH von 2007, das in einem vergleichbaren Fall eine Zaunpflicht zwischen Weide und Wanderweg verneine, sagte Rechtsanwalt Ewald Jenewein. Es sei für seinen Mandanten überhaupt nicht vorhersehbar gewesen, dass sein eindeutiges Warnschild einfach missachtet werde.

Große Verunsicherung bei Alm-Bauern durch LG-Urteil

Im Februar 2019 hatte das Landgericht Innsbruck in einem Zivilprozess den beiden Hinterbliebenen der Frau aus Rheinland-Pfalz hohen Schadenersatz zugesprochen. Das Urteil hatte unter den Alm-Bauern zu großer Verunsicherung geführt. Es folgte auch eine Debatte über die Eigenverantwortung von Wanderern.

OLG: Wanderin handelte "völlig sorglos"

Die 45 Jahre alte Hundehalterin aus Bad Dürkheim war im Sommer 2014 im Tiroler Stubaital von der Kuhherde, die offenbar die Kälber vor dem Hund schützen wollte, zu Tode getrampelt worden. In dem OLG-Urteil wird betont, dass die Wanderin völlig sorglos gehandelt habe. Die Touristin hätte wissen müssen, dass Mutterkühe eine Gefahr für Hunde und damit zwingend auch für die Menschen, die diese Hunde führen, darstellten. Die 45-Jährige habe auch nicht das vom Bauern aufgestellte Warnschild beachtet. Vielmehr sei sie in einem Abstand von nur ein bis zwei Metern an den nächststehenden Kühen vorbeigegangen. "Diese Vorgehensweise der Touristin ist als Sorglosigkeit zu werten und begründet damit ein maßgebliches Mitverschulden", hieß es.

Mitschuld des Landwirts

Dennoch treffe den Bauern auch eine Mitschuld. Er hätte die Weide zum besonders frequentierten Wanderweg zumindest auf einer Länge von 500 Meter abzäunen müssen, "um die von seinen Tieren ausgehende Gefahr für nichts ahnende Wanderer mit Hunden zumindest maßgeblich zu verringern, wenn nicht sogar auszuschließen."

Weiterführende Links

Aus der Datenbank beck-online

OLG Koblenz, Tierhalterhaftung eines Landwirts für Berner Sennenhund, NJOZ 2004, 1077

Thüringer OLG, Tierhalterhaftung für Kühe; Sichtfahrgebot bei schwarzer Kuh, NZV 2002, 464

Walter/Schwabenbauer, "Der Berg ruft", JA 2014, 103

Werner, Tierhalterhaftung, das Reichsgericht und die Ziege im Streichelzoo, NJW 2012, 1048

Aus dem Nachrichtenarchiv

Urteil nach tödlicher Kuh-Attacke - Schadenersatz für Hinterbliebene, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 22.02.2019, becklink 2012327

AG München spricht Viehhändler nach Verletzung einer Joggerin durch ausgebüxte Kuh frei, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 01.06.2016, becklink 2003433

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 28. August 2019.