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US-Gericht ordnet Abschiebung von deutschem Ex-KZ-Wachmann an

Ein US-Gericht hat die Abschiebung eines Deutschen angeordnet, weil dieser 1945 Wachmann in einem Konzentrationslager war. Der im US-Bundesstaat Tennessee ansässige Friedrich Karl B. habe 1945 "freiwillig als bewaffneter Gefängniswächter in einem Konzentrationslager gedient" und damit das Vorgehen des Nazi-Regimes unterstützt, erklärte Richterin Rebecca Holt.

Wachmann in KZ Neuengamme

B. habe gestanden, als Wachmann in einem Außenlager des Hamburger Konzentrationslagers Neuengamme nahe dem niedersächsischen Meppen Gefangene bewacht zu haben, erklärte das US-Justizministerium am 05.03.2020. In dem Außenlager seien unter anderem Juden, Polen, Russen, Dänen, Niederländer, Franzosen und politische Gefangene inhaftiert gewesen, hieß es weiter. Sie seien im Winter 1945 unter "grauenhaften" Bedingungen interniert gewesen und hätten "bis zur Erschöpfung und zum Tod" arbeiten müssen. Der Deutsche habe die Häftlinge im März 1945 auch nach der Auflösung des Außenlagers während des Marsches nach Neuengamme bewacht. Dabei seien "unter unmenschlichen Bedingungen" rund 70 Häftlinge ums Leben gekommen, hieß es. B. habe nie eine Versetzung aus dem Konzentrationslager beantragt und beziehe eine deutsche Rente, unter anderem auch für seinen "Kriegsdienst". Das Justizministerium machte keine Angaben zum Alter des Mannes. Es blieb auch unklar, seit wann er in den USA lebte.

US-Justizministerium: Bereits 109 ähnliche Fälle gewonnen

Seit 1979 habe das Justizministerium bereits 109 ähnliche Fälle gegen einstige Unterstützer des Nazi-Regimes gewonnen, erklärte die Behörde. Dieser Fall sei nur ein weiteres Beispiel dafür, dass "die Vereinigten Staaten kein sicheres Rückzugsgebiet sind für Kriegsverbrecher und jene, die gegen Menschenrechte verstoßen haben", erklärte der stellvertretende Direktor der Einwanderungsbehörde (ICE). Es war zunächst nicht klar, ob B. noch Berufung einlegen könnte oder ob seine Abschiebung unmittelbar bevorstand.

Rund 43.000 Häftlinge gestorben

Das Hamburger Neuengamme war von 1938 bis 1945 das größte Konzentrationslager Nordwestdeutschlands, wie die KZ-Gedenkstätte auf ihrer Webseite erklärt. Es waren demnach mehr als 100.000 Menschen aus ganz Europa im Hauptlager und in über 85 Außenlagern inhaftiert. In Neuengamme, in den Außenlagern und bei den Lagerräumungen bei Kriegsende seien rund 43.000 Häftlinge gestorben, erklärt die Gedenkstätte.

Weiterführende Links

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Bode, Beihilfe zum organisierten Massenmord, NJ 2017, 227

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Bericht: Noch 29 Strafverfahren gegen mutmaßliche NS-Täter, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 25.09.2019, becklink 2014225

USA schieben früheren KZ-Aufseher nach Deutschland ab, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 21.08.2018, becklink 2010735

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 6. März 2020.