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Streit um beschlagnahmtes Schiff im Suezkanal weiter ungelöst

Acht Wochen nach der Blockade des Suezkanals kann die "Ever Given" ihre Fahrt trotz rechtlicher Schritte des japanischen Eigentümers noch immer nicht fortsetzen. Ein Gericht in Ägypten lehnte am Sonntag eine Freigabe des 400 Meter langen Containerschiffs ab. Das Gericht in der Stadt Ismailia sei nicht zuständig und habe den Fall an ein anderes Gericht verwiesen, sagte der für die Kanalbehörde auftretende Anwalt Nassir Farag. 

Kanalbehörde verweigert Weiterfahrt bis zur Klärung des Streits

Das unter der Flagge Panamas fahrende Schiff lief im März 2021 im Suezkanal auf Grund. Sechs Tage lang blockierte es die wichtige Wasserstraße zwischen Asien und Europa, die Ägypten 2020 Einnahmen in Höhe von 5,6 Milliarden Dollar (4,6 Mrd. Euro) brachte. Wegen wirtschaftlicher Verluste fordert die Kanalbehörde rund 600 Millionen Dollar (495 Mio. Euro) Entschädigung. Die Behörden wollen dem Schiff die Weiterfahrt erst erlauben, wenn der Streit geklärt ist.

Anwälte des Schiffseigners sehen Schuld bei Kanalbehörde

Die Anwälte der japanischen Leasingfirma Shoei Kisen argumentierten vor Gericht, der Fehler liege bei der Kanalbehörde. Diese hätte der "Ever Given" die Durchfahrt wegen des schlechten Wetters gar nicht erlauben dürfen, sagte Anwalt Ahmed Abu Schanab. Laut den geltenden Vereinbarungen am Kanal sei die Behörde zudem verpflichtet, ein bei der Durchfahrt havariertes Schiff zu befreien. Die Firma fordert ihrerseits eine Entschädigung von 100.000 Dollar. Nun ist am nächsten Samstag eine weitere Anhörung geplant.

Erneute Berufung wegen Verweisung angestrebt

Die Behörde hat jegliche Schuld an dem Vorfall von sich gewiesen und pocht darauf, das Schiff vor dem Zerbrechen bewahrt und ohne Schäden an dessen 18.000 Containern befreit zu haben. Wegen der Arbeiten und dem tagelangen Stau hatte sie zunächst mehr als 900 Millionen Dollar Schadenersatz gefordert - "übertrieben", wie die Anwälte der Shoei Kisen argumentierten. Sie meinen, wegen der Verweisung an ein neues Gericht erneut Berufung gegen die Beschlagnahme einlegen zu können.

Suez-Kanal soll erweitert werden

Als Reaktion auf die Blockade kündigte Präsident Abdel Fattah al-Sisi an, den Kanal erneut erweitern zu lassen. Die Arbeiten dafür begannen vergangene Woche. Nach ihrer Eröffnung 1869 wurde die Wasserstraße mehrfach ausgebaut, um mit dem zunehmenden Schiffsverkehr und den größer werdenden Schiffen mitzuhalten. 1956 wurde sie verstaatlicht. In den vergangenen Jahren fuhren im Schnitt täglich zwischen 40 und 60 Schiffe durch. Zuletzt war der Kanal 2015 erweitert worden.

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Aus dem Nachrichtenarchiv

Suezkanalbehörde will Streit um Schadenersatz ohne Gerichte lösen, Meldung der beck-aktuell-Redaktion vom 12.04.2021, becklink 2019436

Redaktion beck-aktuell, Verlag C.H.BECK, 25. Mai 2021 (dpa).